MOTTENSCHUTZ BEI WOLLTEPPICHEN

 
Teppiche und Teppichböden aus Naturfasern wie Kokos, Sisal und Wolle werden  von der  GUT auf  Pestizidrück-
stände hin getestet. Dabei dürfen bestimmte Pestizide nicht nachgewiesen werden (GUT-Schadstoffprüfung).

Eine Ausnahme bilden die Mottenschutzmittel Permethrin bzw.  Sulcofuron, für die die GUT  gesundheitlich  unbe-
denkliche Einsatzmengen vorschreibt. Diese, nur in Woll-
teppichen ab einem Wollanteil von 50%
akzeptierten Ausrüstungschemikalien, gewährleisten  einen   sicheren
und dauerhaften Schutz vor einem Schädlingsbefall. Ansonsten können sich Motten - und Käferlarven einnisten. Eine solche Maßnahme ist bei den über-
wiegend  angebotenen Teppichen aus Synthesefasern natürlich nicht erfor-
derlich. Der  Wirkstoff  Permethrin, ein  Pyrethroid,  wird  seit  mehr  als  10 Jahren  eingesetzt. Für die Wahl dieses Stoffes sprechen folgende Vorteile:


  • hohe Wirksamkeit gegen einen Motten- und Käferlarvenbefall bei vergleichsweise geringen Einsatzmengen,
  • sicherer und dauerhafter Schutz der Ware,
  • bei sachgemäßer Anwendung für den Menschen ungefährlich.
Ein dauerhafter Schutz der Ware wird dadurch erreicht, daß der Wirkstoff fest an die Faser gebunden ist, während der Nutzung der Ware nicht abgetragen wird und selbst mehreren Feuchtreinigungen standhält.

Nach gründlicher Prüfung des Mottenschutzmittels kommt auch das Bundes-
gesundheitsamt zu dem Urteil: "[...] durch eine Imprägnierung (gemeint ist die Mottenschutzausrüstung) von Teppichen und Auslegeware kann ein bedeutsames gesundheitliches Risiko nicht angenommen werden [...]". Damit schließt sich die Berliner Behörde der Ansicht der Weltgesundheits
organisa-
tion (WHO) und der amerikanischen Umweltbehörde (EPA) an, die erst kürzlich die Zulassung für diesen Stoff als Mottenschutzmittel in den USA nach einer sehr aufwendigen Prüfung erteilt hat. Das BgVV bemerkt hierzu: “[...], daß nach derzeitigem Kenntnisstand, eine fachgerechte Imprägnierung vorausgesetzt, das Benutzen solcher Teppiche oder Auslegeware aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich ist, [...]”

Bleibt festzuhalten: Wollteppiche müssen vor Insektenfraß geschützt werden, um die Wohnhygiene sicherzustellen und eine vorzeitige Zerstörung der Ware zu verhindern. Die Gesundheit des Verbrauchers wird durch Permethrin als vorsorgliches Motten- und Käferschutzmittel nicht gefährdet.










 
Auszüge aus der Broschüre des Bundesministeriums für Forschung und Bildung zum Verbundvorhaben

"Pyrethroidexposition in Innenräumen"

Die Belastung des Menschen durch Pyrethroide (Insektenvernichtungsmittel) in Wohn- und Arbeitsräumen

Studienergebnisse zum Bio-, Effekt- und Innenraummonitoring von Pyrethroiden
 

 

Keine gesundheitliche Gefährdung nachweisbar

Die Ergebnisse der Studie geben keine Hinweise auf eine gesundheitliche Gefährdung der gesunden Bewohner von Wohnungen, in denen Wollteppich bzw. Wollteppichböden liegen, die ordnungsgemäß  mit dem Motten- und Käferschutzmittel Permethrin ausgerüstet wurden.



Aus dem Inhalt:


 1. Vorwort
Pyrethroidbelastungen der Allgemeinbevölkerung, sei es durch Schädlingsbekämpfungs-maßnahmen oder als Ausgasung von aus Wollteppichen oder Wollteppichböden, die einer Motten- und Käferschutzausrüstung unterzogen wurden, waren vor einigen Jahren Anlaß für intensive Diskussionen und auch Rechtsstreitigkeiten. So wurde von Betroffenen u.a. über chronische Nervenschädigungen und ein Reihe unspezifischer Symptome geklagt. Wie so häufig ergab sich eine komplexe Gemengelage aus potenziell Geschädigten, unzureichender wissenschaftlicher Datenlage und wissenschaftlichen Ansichten in diesem Interessenkonflikt. 
[..] Vor diesem Hintergrund förderte das Bundesforschungsministerium (BMBF) ein Forschungsverbundvorhaben unter der Voraussetzung, dass sich die betroffene Industrie mit demselben finanziellen Anteil daran beteiligt. [..] wurden so zwei Studien durchgeführt, die erstmals prospektiv an freiwilligen Personen belastbare Daten zur inkorporierten Belastung, dem Zusammenhang zwischen Exposition und Belastung und möglichen gesundheitlichen Risiken beisteuern sollten. Diese Forschung erfolgte unabhängig, und daher wurde das [..] Vorhaben durch neutrale GUTachter beurteilt. [...]

 

2. Das Verbundprojekt „Pyrethroidexposition in Innenräumen“
[..]  Eine Studie erfasste Personen in deren Haushalt pyrethroidhaltige Teppiche vorhanden sind und dadurch möglicherweise eine Dauerbelastung mit dem Insektizid vorliegt. [..]

Um die Pyrethroidkonzentration zu ermitteln, wurden die Pyrethroidkonzentrationen in der Raumluft und im Hausstaub der Räume gemessen (Innenraum-Monitoring). Um mögliche Pyrethroideffekte auf die menschliche Gesundheit zu erfassen, wurden die betroffenen Personen auf Beschwerden hin befragt und körperlich untersucht sowie weitere gesundheitsrelevante Tests an Ihnen durchgeführt. Dazu zählten Untersuchungen des Urins auf Pyrethroid-Stoffwechselprodukte (Bio-Monitoring), des Blutes samt immunologischer Parameter sowie möglicher Beeinträchtigungen des Nervensystems (neurophysiologische Tests und Messung der Hirnströme). So sollten Antworten gewonnen werden auf Fragen wie:

  • Führen Pyrethroidvorkommen in Innenräumen auch zu entsprechender Belastung der Bewohner?
  • Verändert sich bei Personen, die Pyrethroiden einmalig (Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen) oder ständig (Wollteppiche) ausgesetzt sind, der Gesundheitszustand [..]?


3.  [..] Belastung durch Permethrin aus Wollteppichen und Teppich-
           böden?

       [..]  Grundfragen der Studie

  • Wie hoch sind Innenräume, in denen Wollteppiche liegen, durch Permethrin im Hausstaub bzw. in der Raumluft belastet?
  • Wie groß ist der Anteil des partikelgetragenen Permethrins, der bis in die Lunge gelangt?
  • Wie weit ist Permethrin aus Wollteppichen bioverfügbar, d. h. ist es als Stoffwechselprodukt im Urin des Menschen zu finden?
  • Gibt es Zusammenhänge zwischen der Konzentration von Permethrin in der Raumluft und der Konzentration an Metaboliten (Abbauprodukten ) des Permethrins?
  • Gibt es Zusammenhänge zwischen der Konzentration von Permethrin in der Raumluft bzw. den Permethrin - Metaboliten im Urin und der gesundheitlichen Befindlichkeit?


4. Gefundene bzw. nicht gefundene Zusammenhänge
      [..]  Permethrin in Hausstaub und Teppichboden

  • Steigt die Permethrinkonzentration in den Teppichfasern, ist auch eine Zunahme der Konzentration im Hausstaub erkennbar.
  • Im Vergleich zur Teppichfaserausrüstung kann sich Permethrin im Hausstaub anreichern. Das heißt, die im Hausstaub gefundene Konzentration kann höher sein als die in den Teppichfasern.
  • Der Hausstaub aus Wohnungen mit eulanisierten Teppichen weist im Vergleich zu Studien, die die „Hintergrundbelastung“ erfassen, eine deutlich höhere Permethrinbelastung auf.
      [..] Innenraumluftmessung
  • Die Konzentration von Permethrin in der Luft ist sehr gering; in 19% der Fälle unterhalb der Nachweisgrenze.
  • Zwischen der Konzentration an Permethrin in der Raumluft und im Hausstaub ist kein signifikanter [..] Zusammenhang erkennbar.
  • Das Permethrin in der Luft ist auf einen geringen kontinuierlichen Abrieb kleinerer Teppichfasern zurückzuführen.
      [..] Biomonitoring
  • Der Nachweis von Permethrin-Metaboliten im Urin weist prinzipiell auf eine Aufnahme von Permethrin hin, aber:
  • Die Konzentration der Permethrin Metaboliten im Urin ist i.d.R. sehr gering bzw. häufig unterhalb der Nachweisgrenze.
  • Die Konzentration von Permethrin im Teppichboden, im Hausstaub und in der Raumluft lässt keinen signifikanten Zusammenhang mit den Metabolitenkonzentrationen im Urin erkennen.
      [..] Erfassung von Symptomen
  • Zwischen dem Auftreten eines Symptoms und der Permethrinkonzentration in der Raumluft ist kein signifikanter Zusammenhang erkennbar.
  • Die Konzentration von Permethrin-Metaboliten im Urin zeigt keinen signifikanten Zusammenhang mit der Nennung von Symptomen.
  • Typ und Häufigkeit der Nennung von Symptomen sind vergleichbar mit der einer Vergleichsstudie ohne Pyrethroideinfluss.


5. Schlussfolgerung
Die Ergebnisse der Studie zu Wohnungen, die mit eulanisierten Wollteppichen bzw. Wollteppichböden ausgestattet waren, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Das Innenraummonitoring zeigte, dass die Permethrinkonzentration im Hausstaub sehr hoch sind. In der toxikologisch relevanten Raumluft waren sie jedoch sehr niedrig. Da in der hier betrachteten Studie die Luft der Hauptpfad für die Aufnahme von Permethrin ist, ist nur eine geringe Belastung der Bewohner zu erwarten. 

Die im Biomonitoring erfassten Metabolitenkonzentrationen im Urin sind vergleichbar mit denen, die in anderen Studien mit allgemeinen Bevölkerungsgruppen beobachtet wurden. Nur ein kleiner Teil der Proben zeigt überhaupt Werte oberhalb der Nachweisgrenze.

Auch die Häufigkeit der genannten gesundheitlichen Symptome ähnelt den Angaben einer Vergleichsstudie mit nicht permethrinexponierten Personen. Von den untersuchten Personen wird subjektiv offenbar ein Spektrum an Beschwerden wahrgenommen, das dem in der vorliegenden Studie vergleichbar ist. Ein Zusammenhang des gesundheitlichen Befindens mit der Permethrinkonzentration in der Raumluft und der Metaboliten Konzentration im Urin ist nicht zu erkennen. Die Frage, ob dies auch für besonders empfindliche Personen wie bei-spielsweise Allergiker gilt, ist aufgrund des Aufbaus dieser Studie nicht zu beantworten.

Eine Kennzeichnung für Wollteppichböden, die mit Permethrin behandelt wurden wäre im Sinne der Verbraucher und sollte darum angestrebt werden.
 


Keine gesundheitliche Gefährdung nachweisbar

Die Ergebnisse der Studie geben keine Hinweise auf eine gesundheitliche Gefährdung der gesunden Bewohner von Wohnungen, in denen Wollteppich bzw. Wollteppichböden liegen, die ordnungsgemäß  mit dem Motten- und Käferschutzmittel Permethrin ausgerüstet wurden.
 


Bezugsquellen:

 
     
 
GUT: Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden